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30.03.2011

Wege zum Erfolg

Je größer, desto professioneller agieren Unternehmen. Aber was nützt ihnen das? Kleinere Unternehmen agieren dafür flexibler und wagemutiger. Zum Erfolg führen beide Methoden, wie eine neue Studie zeigt, die Impulse exklusiv veröffentlicht.

Von Christian Litz und Michael Prellberg

Es gibt keine schlechten Autofahrer. Sagen Experten, nämlich die Autofahrer selbst. Drei von vier sehen sich als überdurchschnittlich gut. Es gibt auch keine schlechten Innovatoren. Und keine Unternehmen mit langsamen Prozessen. Sagen Experten, nämlich die Manager selbst. 70 Prozent von ihnen sind überzeugt, ihre Innovationsrate sei überdurchschnittlich. Und was die Time-to-Market angeht, also die Zeit von der Idee bis zur Markteinführung, da sei kaum jemand schneller als sie. Sagen immerhin 78 Prozent. Eine „gewisse Selbstüberschätzung“ sieht Erik Hofmann von der Universität St. Gallen darin. Sein Team wertet eine aktuelle Studie des Instituts für Demoskopie Allensbach im Auftrag der Unternehmensberatung Kerkhoff Consulting aus, für die 501 Topentscheider im produzierenden Gewerbe befragt worden sind. Ziel war es, Stärken und Schwächen mittlerer und großer Unternehmen herauszuarbeiten und gegenüberzustellen. Als „groß“ gelten hier Firmen mit mehr als 250 Beschäftigten und 50 Mio. Euro Umsatz. Und die arbeiten eindeutig professioneller.

„Die Studie zeigt, dass der Mittelstand so gut wie nie die Nase vorn hat“, sagt Gerd Kerkhoff, geschäftsführender Gesellschafter von Kerkhoff Consulting. „Vor allem bei modernen Tools wie einem klar definierten Risikomanagement oder bei der Produktkostenanalyse wird deutlich, dass große Unternehmen die Maßstäbe setzen und die kleineren dann langsam nachziehen.“ Das heißt nicht, dass es bei den Kleineren (mehr als 50 Beschäftigte und 10 Mio. Euro Umsatz) noch Management nach Gefühl und Wellenschlag gibt. Das zeigt sich beispielsweise bei den Fragen nach Personalentwicklung, Prozessoptimierung, Forderungsmanagement oder dem Umgang mit Lieferanten. Hier sind die Unterschiede eher graduell.

Der Fluch der Bürokratisierung

Es gibt natürlich auch Bereiche, wo kleinere Unternehmen ihre Flexibilität auszuspielen trachten. Etwa weil kürzere Entscheidungswege ein schnelles Umsteuern ermöglichen. Was stimmt: „Mit steigender Unternehmensgröße nimmt die Effizienz der Verwaltung tendenziell ab“, heißt es in der Studie. Das sei „der Fluch der Bürokratisierung“. In dieses Raster passt, wenn 38 Prozent der Kleinen ihre Verwaltung als „sehr effizient“ und weitere 54 Prozent sie als „effizient“ loben. Die „sehr effizient“-Quote für Unternehmen mit mehr als 1000 Mitarbeitern liegt nur bei 23 Prozent. Diese Quote wird allerdings steigen: Mehr als zwei Drittel der Großen haben bereits Projekte gestartet, um die Verwaltungsprozesse zu verbessern, weitere 17 Prozent sind gerade dabei. Dabei wird auf Technik gesetzt: „Mit IT- und ERP-Systemen soll die Transparenz erhöht werden, sollen Informationen schneller übermittelt werden, damit Entscheidungen schneller fallen können“, sagt Erik Hofmann. Die Erfolgsquote liegt hoch: Es habe sich gelohnt, sagen 89 Prozent der Befragten.

Eine höhere Arbeitsteilung innerhalb des Unternehmens führe eben zu einem höheren Koordinationsaufwand, sagt Hofmann. Das sei unvermeidbar. Hofmann spricht aber auch einen Nachteil der scheinbaren Flexibilität von kleineren Unternehmen an: Wenn alles über den Geschäftsführer läuft, kann der zwar rasch entscheiden, „es droht aber auch die Gefahr des Verzettelns“. Prozessoptimierung, auch jenseits der Verwaltung, ist vor allem ein Thema für größere Unternehmen. Interessanterweise geht es den Kleinen eher um interne Abläufe und um die Weiterbildung von Mitarbeitern. Schulungsangebote sind längst Standard: Die Werte liegen fast bei 100 Prozent. Größere Unternehmen schauen beim Blick auf Abläufe verstärkt nach draußen, auf bessere Kommunikation mit den Kunden und auf ihre Lieferanten. Standardisierte Bewertungen, regelmäßige Besuche und systematische Kontrolle auf Produkte und Sicherheitsvorschriften werden allmählich selbstverständlich. Gerd Kerkhoff geht das alles nicht schnell genug: „Die Beziehungspflege zu den Lieferanten ist der Hauptjob der Einkaufsabteilung: Nur so lässt sich Liefersicherheit herstellen, nur so lassen sich gute Preise erzielen. Unglaublich, dass bei den mittleren Unternehmen nur 65 Prozent Lieferanten standardisiert bewerten und sogar nur 63 Prozent systematisch ihre Lieferanten kontrollieren. Da frage ich mich ehrlich: Was machen die denn in den dortigen Einkaufsabteilungen den ganzen Tag?“

Ausländer statt Frauen
Je größer die Firma, desto weniger weibliche Führungskräfte gibt es. Mittlere Unternehmen haben zu 20 Prozent Frauen in Chefpositionen. Bei den großen Unternehmen halbiert sich diese Quote. Experte Hofmann liefert dafür zwei mögliche Erklärungen: dass Töchter als Nachfolgerinnen in die Geschäftsführung rücken und dass Mittelständler offener dafür sind, Familie und Beruf besser zu vereinbaren.

Umgekehrt verhält es sich mit dem Anteil der nicht deutschen Führungskräfte. Er liegt bei kleineren Unternehmen bei drei Prozent, bei den großen bei zehn Prozent. Verblüffenderweise berichten große Unternehmen häufiger von Schwierigkeiten, offene Stellen für Führungskräfte zu besetzen. Zwölf Prozent bekunden „große Probleme“, während es bei den Kleineren nur sieben Prozent sind. „Das hat uns auch überrascht“, sagt Hofmann. Seine Erklärung: Mittelständler gucken mehr auf den Menschen, und wenn das Bauchgefühl stimmt, werden auch Abstriche an der formalen Qualifikation gemacht. Bei Konzernen hingegen gibt es „objektive Kriterien“, wer die nicht erfüllt, fällt durchs Raster. Um das auszugleichen, kooperieren größere Unternehmen deutlich häufiger mit Zeitarbeitsfirmen, pflegen Kontakte zu Schulen und Universitäten und sind auf Jobmessen präsent, um nach geeigneten Kandidaten zu suchen.

Wachsen auf Pump
Je größer das Unternehmen, desto solider die Finanzbasis – diese überraschende Aussage lässt sich aus der Studie ablesen. Fast zwei Drittel der großen Unternehmen sind in der Lage, laufende Investitionen aus eigenen Mitteln zu bestreiten. Bei den Kleineren können dies nur 37 Prozent. Das Geld kommt wie eh und je von der Bank, über Kredite; nur 21 Prozent nutzen Gesellschafterdarlehen. „Andere Wege der Finanzierung spielen für mittlere Unternehmen praktisch kaum eine Rolle“, bilanziert Allensbach. Rund drei Viertel der Firmen haben in den vergangenen drei Jahren investiert, um neue Zielgruppen oder Märkte zu erschließen. Wobei der Anteil der Großen etwas höher lag – wohl, so die Studie, weil für das Gewinnen neuer Kunden und Märkte viel Geld benötigt wird. Je kleiner eine Firma, desto eher setzen die Entscheider auf Nischen, um sich von der Konkurrenz abzusetzen. Ließen sich diese Unternehmen auf größere Investitionen ein, stand dahinter häufig eine strategische Neuausrichtung: „Heraus aus der Nische“ (36 Prozent) oder „Weg vom Billigheimer-Image“ (38 Prozent). Größere Unternehmen hingegen streben Kostenführerschaft eher an. Sie erlaubt es, Größenvorteile auszuspielen, also in Massen billiger als kleinere Konkurrenten zu produzieren oder Rohstoffe günstiger zu kaufen.

Um trotz aller Ausgaben unabhängiger von Geldgebern (sprich: den Banken) zu werden, gilt neben gesteigertem Umsatz vor allem das Senken von Kosten als Erfolg versprechender Ansatz. „Unternehmen, die an Kostensenkungen arbeiten, tun das auf breiter Front“, hat Allensbach festgestellt. Fast alle befragten Führungskräfte versuchen, Lagerbestände abzubauen und schneller an ihr Geld zu kommen. Nicht von der Bank – von den Kunden. Das sind allerdings vor allem die größeren Unternehmen. Die Nachlässigkeit der Kleineren fuchst den Berater Gerd Kerkhoff: „Große Unternehmen können sich günstiger refinanzieren und sind damit für die Zukunft wesentlich professioneller aufgestellt“, sagt er. „Die Mittelständler sollten aufwachen!“

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