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16.11.2015

Value Engineering — Integraler Bestandteil des Einkaufs der Zukunft

Reine Kostentransparenz ist im Bereich Beschaffung nicht mehr ausreichend

Die erhöhten Anforderungen an den Bereich Beschaffung gehen über Transparenz hinaus und führen damit die klassischen Tools sukzessive an ihre Grenzen. Hier setzt das Value Engineering an - eine Methode, mit der Wert und Nutzen eines Produktes mit dem Prinzip der Funktionsanalyse bedarfsgerecht angepasst wird.

 

 

Die heutzutage weit verbreitete Implementierung von strategischen Einkaufstools und deren erweiterte Handlungsspielräume erzielen nach wie vor beachtliche Erfolge. So bilden beispielsweise Warengruppenmanagement, Volumenbündelungen, Lieferantenbewertungen und ein durchgängiges Lieferantenmanagement die Grundlage für erfolgreiche Einkaufsorganisationen. Aber die Entwicklung hier wird nicht stehen bleiben. Ansätze wie eine Produktkostenkalkulation, eine Einkaufspreisanalyse und begleitende Cost—Breakdowns der Lieferanten führen zu mehr Transparenz der Preise, einem beidseitigem Verständnis der Produktkosten und somit einer Begegnung auf Augenhöhe. Hierdurch wird die Basis für eine langfristige Partnerschaft und das dafür notwendige Vertrauen gelegt. Doch all diesen Methoden wohnt dieselbe Problematik inne: Sie können lediglich die minimalen Kosten für ein vorhandenes, spezifiziertes Produkt erreichen. Darunter soll und kann eine langfristige, gesunde Lieferanten-Kunden Beziehung nicht stattfinden. Sind diese Kosten für eine erfolgreiche Platzierung am Markt nach wie vor zu hoch, stoßen Einkaufsorganisationen oft an ihre Grenzen. Selbiges gilt immer wieder für Monopole beziehungsweise Quasi—Monopole, starke Entwicklungslieferanten oder auf andere Art und Weise stark an das eigene Unternehmen gebundene Lieferanten. Hier kommt das Value Engineering ins Spiel.

Wertgestaltung eines Produktes
Der Begriff des Value Engineering entstammt dem Vokabular der Wertanalyse und war ursprünglich als Methode zur reinen Kostensenkung gedacht. Heute hat es sich von einer Methode der Kosteneinsparung hin zu einem komplexen Managementsystem (Value Management) entwickelt und wurde mittlerweile in verschiedenen Normen und Richtlinien laut DIN und VDI geregelt. Das Value Engineering konzentriert sich auf die Wertgestaltung. Dabei bezeichnet der Wert eines Produktes das Verhältnis von Funktion zu Kosten, oder noch allgemeiner ausgedrückt: die Befriedigung von Bedürfnissen im Verhältnis zu den eingesetzten Ressourcen. Somit wird klar, dass der Wert eines Produktes auf zwei Wegen gesteigert werden kann: niedrigere Kosten oder höhere Funktion. Dies ergibt sich durch die Schlussfolgerung, dass ein höherer Erfüllungsgrad der Funktionsanforderungen des Kunden einen höheren Verkaufspreis, höhere Absatzzahlen etc. erzeugen kann. Entsprechend ist es das Ziel des Value Engineering, das „temporäre wirtschaftliche Optimum“ zu generieren. Der große Vorteil des Value Engineerings liegt darin, dass eine Konzentration auf Funktionen und Wirkungen erfolgt. Diese Herangehensweise erzeugt bei korrekter Durchführung einen organisierten und kreativen Gestaltungsprozess, welcher logische Zusammenhänge aufdeckt und sowohl eine Kostenoptimierung als auch eine Wertmaximierung zulässt.

Wertanalyse ist echte Teamarbeit
Hierbei erfolgt das Value Engineering bevorzugt in Form eines interdisziplinären Projektes. Dieses Projekt sollte bewusst außerhalb der alltäglichen Arbeitsabläufe liegen, zeitlich begrenzt sein und mit einer klaren Zielvorgabe versehen werden. Die verschiedenen Normen und Richtlinien empfehlen dabei stets einen definierten Arbeitsplan. Diese sind jeweils leicht divergent, jedoch alle inspiriert von Decartes’ ,Admiranda methodus‘ und somit ausreichend ähnlich. Zusätzlich zu dieser vorgegebenen Struktur bietet das Value Engineering Raum für eine Vielzahl von Kreativitäts- und Arbeitstechniken. Beispielhaft seien hier genannt: ABC Analyse, Brainstorming, Brainwriting, Delphitechnik, Morphologie und Nutzwertanalyse. Die Anwendung dieser Methoden, der Projektcharakter des Value Engineering, seine interdisziplinäre Zusammensetzung sowie das Denken in Funktionen und Funktionskosten führen zu Perspektivenwechseln, Synergien und Erkenntniserweiterungen. Somit schafft das Value Engineering immer wieder den Nährboden für kreative Ingenieursleistungen und Innovationen. Im Zentrum dessen steht eindeutig die Funktionsanalyse, also die Frage nach dem „Warum“/ „Wozu“. Eine Funktion beschreibt die Wirkung eines Produktes oder seiner Bestandteile. Zentrale Aufgabe der Funktionen ist es, dabei die Bedürfnisse des Kunden zu erfüllen. Zur besseren Bewertung werden die Funktionen im Verlauf des Value Engineering weiter untergliedert und schließlich bewertet. Dadurch können Hilfsfunktionen gebündelt, unnötige Funktionen eliminiert und evtl. sogar Gebrauchs- und Geltungsfunktionen hinzugefügt werden.

Methodenmix bringt den Einkauf zum Erfolg
Value Engineering kann und will die klassischen Einkaufsmethoden nicht ersetzen. Allerdings bietet es eine große Chance, auch komplexen Sachverhalten zu begegnen, weitere Potenziale zu heben und schließlich den Ertrag eines Produktes zu maximieren. Hierbei baut es im Idealfall auf die Erkenntnisse des Einkaufes und seiner Methoden auf. Insbesondere eine detaillierte Produktkostenkalkulation inklusive einer Kostentreiberanalyse erleichtert den Prozess der Wertgestaltung ungemein. Diese Kostentreiberanalyse kann durch Softwarelösungen wie beispielsweise die Kerkhoff Cost Analysis schnell und übersichtlich dargestellt werden. Dies unterstützt insbesondere bei der Zuordnung von Funktionskosten sehr. Darüber hinaus ist eine hohe Methodenkompetenz für einen erfolgreichen Value Engineering Prozess unabdingbar, idealerweise in Verbindung mit einer klaren und strukturierten Moderation des Projektteams. Sollten diese Voraussetzungen erfüllt sein, bietet das Value Engineering große Potenziale für die Beschaffungsorganisation. „25 Prozent der Herstellkosten der Produkte sind unnötig“, prognostizierte bereits Larry D. Miles. Ein strategisches Value Engineering wird integraler Bestandteil der erfolgreichen Einkaufsorganisationen der Zukunft sein.

Autoren: Güray Karaca, Vorsitzender der Geschäftsführung Kerkhoff Cost Engineering GmbH & Dominik Leisinger, Senior Consultant Cost Engineering Kerkhoff Cost Engineering GmbH


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