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01.11.2013

Teurere Rohstoffbeschaffung dank chinesischer FDI?

Gespräch mit Ludwig Goebl, Managing Director China & Head of operations Asia/ Pacific von Kerkhoff Consulting, über die Konsequenzen chinesischer Direktinvestitionen für die Beschaffungspolitik.

Asien Kurier: Der chinesische Staat und chinesische Unternehmen investieren zunehmend außerhalb ihres eigenen Landes. In den letzten Monaten und Jahren erfolgten Direktinvestitionen vor allem in Infrastruktur- und Rohstoffmärkten. Während insbesondere die USA, Afrika und ausgewählte asiatische Länder hohe Zuflüsse von FDI aus China verzeichnen, könnte sich der Trend auch in Richtung Deutschland entwickeln. Inwieweit haben die chinesischen FDI heute bereits Einfluss auf die Beschaffung von Rohstoffen für deutsche Unternehmen?

Ludwig Goebl: Die aktuellen Projektsituationen zeigen bereits folgendes Bild: Deutsche Hersteller müssen Verteuerungen besonders zum beim Thema "seltene Erden" hinnehmen. So muss der deutsche Hersteller von Elektromotoren die benötigten Magnete und Spulen mit hohen Preissteigerungen Jahr für Jahr zumeist aus dem asiatischen Raum schon aufgrund der bereits vorhandenen Produktionsherrschaft beziehen. Entsprechend ist eine Verschärfung dieser Situation durch die weitere Konzentration der Rohstoffsituation über anhaltende Investitionen aus dem asiatischen Raum zu erwarten. Die Direktinvestitionen (FDI) werden aus China heraus mit unterschiedlichen Strategien vorgenommen. In der aktuellen Situation sind u.a. Afrika und Australien die Kernländer dieser Investitionen in Bezug auf Bodenschätze. Die Strategie für Länder wie Afrika besteht im ersten Schritt darin, durch infrastrukturelle Unterstützung und kulturellen Transfer (Sprache, Schulen) eine engere Beziehung zu China aufzubauen. In Australien hingegen wird schon seit dem Jahre 2009 von staatlicher als auch privater Seite versucht, Anteile, aber auch ganze Minen von namhaften Unternehmen wie OZ Minerals oder Rio Tinto, unter chinesische Kontrolle zu bringen. Teilweise wurden diese Geschäfte bereits vollzogen.
 
Asien Kurier: In welchen Branchen beobachten Sie besonders große Konsequenzen für die Rohstoffbeschaffung? Inwieweit ist die Relevanz der Sicherung des Zugangs zu Rohstoffen in den deutschen Managementetagen angekommen?

Ludwig Goebl: Es ist besonders im Mittelstand nicht unüblich, strategische Verträge direkt über das Management in Abstimmung mit dem Einkauf, Vertrieb und Produktion zu erarbeiten und abzuschließen. Beauftragungen für Marktrecherche und Aufbau von Alternativlieferanten werden deshalb auch bei speziellen Einkaufsberatungen vermehrt über das Management angestoßen. Die Elektronikbranche und in diesem Zusammenhang die Automotive Branche und Telekommunikation sind Hauptfelder mit verschärften Aufgabenstellungen und Konsequenzen aufgrund investitionsgetriebener Marktveränderungen im Rohstoffsektor. Der Einkauf wird diesbezüglich, besonders nach dem Krisenjahr 2009 und dessen Konsequenzen für die Versorgungssituation im Jahre 2010, in diesen Unternehmen als Managementaufgabe betrachtet.

Asien Kurier: Welchen Herausforderungen sehen sich deutsche Unternehmen daher heute bereits in ihrer Beschaffung ausgesetzt?

Ludwig Goebl: Es gibt einige Beispiele im Rohstoffsektor, bei denen schon vor einiger Zeit quasimonopolistische Situationen in verschiedenen Regionen herrschten. Die "seltene Erde" Neodym zum Beispiel wird als Rohstoff für starke Magnete für Kopfhörer, mobile Applikationen, Windkraftanlagen usw. benötigt. China mit dem unbestrittenen Hauptvolumen der Weltproduktion ist für dieses Material im "drivers seat", wenn sich Fragestellungen zum Thema Preise und Kosten stellen. Hierbei ist natürlich ein strategischer Weg der Beschaffung für betroffene Unternehmen unumgänglich. Dadurch rücken strategische Aufgabenstellungen, wie die Sicherstellung der Versorgung und die maximale Ausnutzung der eigenen Marktmacht zur Preisgestaltung, in den Vordergrund. Es gibt vielfältige Maßnahmen, die sinnvoll sind wie z.B. eine unternehmensübergreifende Einkaufskooperation, spezielle Schulungen der Mitarbeiter, aber auch der Aufbau eines Einkaufsbüros vor Ort im chinesischen Markt. Die Basis ist hierbei das Einbeziehen von kundigen Marktteilnehmern am Standort mit bereits vorhandenem Beziehungsnetzwerk, Erfahrung im Aufbau von Einkaufsbüros, der Suche nach chinesischen Mitarbeitern und sprachlichen Fertigkeiten.

Asien Kurier: Was können deutsche Unternehmen heute konkret tun, um sich weiterhin den Zugang zu wichtigen Rohstoffen und folglich auch zu kalkulierbaren Kosten zu sichern? Wie sieht Ihre Aufgabe als Beratung in diesem Kontext aus?

Ludwig Goebl: Wer denkt, über ein 3-stufiges Händlersystem aus Deutschland heraus optimale Preise für Materialien aus dem Rohstoffsektor zu erzeugen wird bitter enttäuscht. Es ist Präsenz, Verhandlungsgeschick und das Ausschöpfen von Möglichkeiten in der Supply Chain über die unterschiedlichen Märkte gefragt. Als Beratungsunternehmen mit über 10-jähriger Erfahrung im asiatischen Raum zählt zu unseren Aufgaben, Vertrauen zwischen den Beteiligten aufzubauen, unnötige Händlerstufen abzubauen, den gesamten asiatischen Markt als Sourcingraum für Alternativen zu erforschen und ggf. im direkten Gespräch langfristige, strategische Partnerschaften zu fixieren.

Asien Kurier: Wie schätzen Sie die künftige Entwicklung der chinesischen Investitionen ein? Was könnte dies für deutsche Unternehmen langfristig bedeuten?

Ludwig Goebl: Es ist von einem progressiven Wachstum auszugehen. Langfristig könnte dies für deutsche Unternehmen eine direkte Annäherung an die chinesische Kultur und engere Verwebung mit asiatischen Unternehmen bedeuten. Die Kostensituation der Rohstoffe wird sich für deutsche Unternehmen verschärfen. Neben der hervorragenden finanziellen Situation hat die chinesische Regierung in den letzten Jahren versucht, alle Voraussetzungen für einfache und schnelle Investitionen ins Ausland zu schaffen. Dafür stehen nicht nur der zwölfte Fünf-Jahresplan der chinesischen Regierung, sondern auch politische Maßnahmen und Institutionen, welche eigens dafür aufgebaut wurden. Wichtige Meilensteine dafür waren: Das MOC (Ministry of Commerce China) übernimmt die Go-out-of-China Politik. Dafür werden Investitionen in den Feldern Energie, High Technology und Rohmaterialien subventioniert. Das SAFE (State Administration of Foreign Exchange) vergibt eine Garantie für Investoren auf schnellen Zugriff auf ausländische Devisen.
 
Asien Kurier: Und schließlich: Geht eine solche „Gefahr“ auch von anderen Ländern als nur China aus? Wenn ja, von welchen?

Ludwig Goebl: Die USA und Russland hatten noch vor einer chinesischen Investitionswelle den Vorteil Rohstoff erkannt. Diese Länder versuchen auch weiterhin über bereits vorliegende globale Präsenz den Einfluss und Investitionen in Regionen mit Rohstoffen zu bündeln. Ein aktuelles Beispiel dafür ist die Anstrengung der russischen Regierung in der Antarktis. Dieser Umstand wird weiterhin erhalten bleiben.

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