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19.02.2016

Schnell, schneller, Ersatzteile

Wer im Geschäft mit eiligen Spezialsendungen als Dienstleister in der Ersatzteillogistik überleben will, muss seine Kosten im Griff haben, denn der Preiswettbewerb ist groß. An welchen Kostenhebeln Betriebe noch ansetzen können.

Von der Lkw-Kupplung bis zum Schiffsgetriebe - ZF Friedrichshafen versorgt weltweit seine Kunden mit Ersatzteilen. Die Transporte übernehmen stets externe Dienstleister: Alle ein bis zwei Jahre schreibt der Zulieferkonzern seinen Bedarf neu aus.

Welchen Unternehmen ZF dann den Zuschlag erteilt, hängt nicht nur vom Preis ab. "Für uns sind die Transitzeiten in der ganzheitlichen Betrachtung entscheidend. Es geht auch darum, die Liegezeiten entlang der Transportstrecke zu optimieren", erklärt Hans-Arno Linkenheil, Leiter des Corporate Supply Chain Management. Das heißt: ZF legt für jede Relation eine vorgegebene Transitzeit fest, die in der Praxis eingehalten werden muss - und die von Ausschreibung zu Ausschreibung sinkt. "Hier sind die Dienstleister in der Pflicht, diese Ziele zu erfüllen", so Linkenheil.

Kürzere Zeitvorgaben und mehr grenzüberschreitende Transporte - so lauten die Trends in der Ersatzteillogistik. Grundsätzlich sind die Prognosen für das Geschäft mit eiligen Spezialsendungen aber gut: Bis 2019 werden die Volumina im Expressgeschäft um rund 4,5 Prozent zunehmen, so der Bundesverband Paket und Expresslogistik (BIEK). Angetrieben werde das Wachstum vor allem durch mehr Transporte über Ländergrenzen hinweg, heißt es in der "KEP-Studie 2015". Die Frage ist: Welche Dienstleister können sich auf dem umkämpften Markt für Ersatzteiltransporte behaupten?

Ansprüche der Verlader steigen


Überleben werden vor allem jene, die Qualität bieten. Gerade da steigen die Ansprüche der Verlader. "Wir nahmen gerade an der Ausschreibung eines OEMs teil. Da wurden Punkte genannt, die früher nicht relevant waren", erzählt Tobias Baumann, Geschäftsführer von Cargomando, einem Verbund von 27 Kurier- und Speditionsfirmen. So gehöre zu den neuen Anforderungen, dass jede Einzelfracht garantiert ohne Umschlag zum Ziel befördert werde. "So wollen die Kunden Transportzeiten verkürzen und -schäden verhindern", erklärt er. Für Dienstleister heißt das: Bisweilen müssen zwei Fahrer an Bord sein, um lange Strecken unterbrechungsfrei zurücklegen zu können. Zudem erwarten die Verlader zunehmend, dass ihr Dienstleister das gesamte Spektrum von Transporten anbietet und über den nötigen Fuhrpark verfügt. "Vielfalt ist wichtig. Mittlerweile ist es selbstverständlich, dass für eine Sonderfahrt alles vom Caddy bis zum 40-Tonner zur Verfügung steht", sagt Hüseyin Tasyürek, zweiter Geschäftsführer von Cargomando.

Eine immer größere Rolle spielt auch die IT. So erwarten Konzerne von ihren Dienstleistern im Ersatzteilbereich mittlerweile ein ausführliches Tracking & Tracing. Wann wurde die Ware abgeholt? Wo befindet sie sich aktuell? Wann ist mit der Lieferung zu rechnen? Außerdem wollen Verlader zunehmend ihre Aufträge elektronisch aufgeben (anstatt per Telefon, wie es noch Standard ist). Und dieser Trend zur Digitalisierung wird sich weiter verstärken. Denn: "Die Firmen gehen von der reaktiven zur präventiven Instandhaltung über", weiß Michael Kaluzny von Kerkhoff Consulting in Düsseldorf. So sind immer mehr Anlagen und Maschinen mit Sensoren ausgestattet und ans Internet angeschlossen. Hersteller von Produktionsmaschinen etwa können auf ihren Bildschirmen genau verfolgen, wie es um die Anlage beim Kunden steht. Deutet sich Wartungsbedarf an, werden die nötigen Komponenten automatisch auf den Weg gebracht. "Die Ersatzteilplanung geht über Firmengrenzen hinaus", fasst Experte Kaluzny den Trend zusammen. Für Transportbetriebe bedeutet das: Sie brauchen moderne IT-Systeme, sonst können sie an diesem engen Infoaustausch nicht teilnehmen - und erhalten keinen Auftrag mehr.

Rahmenverträge wie große Speditionen

Wer den Markt für Sonderfahrten kennt, weiß aber: Moderne IT ist schön, doch ein guter Preis schöner. Günstig anbieten können aber nur Dienstleister, die ihre Kosten im Griff haben (siehe Kasten unten). Als Beispiel für einen Kostenblock, der sich abschmelzen lässt, nennt Unternehmensberater Arno Meinl von Meinl Logistic Consult die Beschaffung von Fahrzeugen. "Nutzen Sie da mehr Möglichkeiten", rät der 58-Jährige, der jahrelang als Manager in der KEP-Branche tätig war. "Viele Dienstleister denken nicht über alternative Quellen nach. Stichwort: Fahrzeug im EU-Ausland kaufen", führt er aus. Bei solchen Fahrzeugen sei das Serviceangebot zwar fallweise eingeschränkt, sagt Meinl, doch dieses benötige man meist auch nicht. Dafür seien Re-Importe um bis zu 20 Prozent günstiger in der Anschaffung. Alternativ rät Meinl, sich beim Fahrzeugeinkauf mit anderen Marktteilnehmern zusammenzutun, um Mengenrabatte zu erzielen - unter Umständen sogar mit Kunden oder Wettbewerbern. "Unternehmer müssen nur ihre Angst verlieren, dass ihnen andere das Geschäft streitig machen wollen."

Eine solche Kooperation kann sich auch beim Einkauf von Reifen, Kraftstoff und Versicherungen auszahlen. Deshalb fungiert Cargomando auch als Einkaufsgemeinschaft für ihre Mitgliedsfirmen. "Wir haben dadurch Rahmenverträge mit Konditionen, die sonst nur große Speditionen bekommen", freut sich Cargomando-Geschäftsführer Baumann. Zudem nutzen alle Mitglieder der Kooperation die gleiche Software, etwa für Auftragseingang und Tracking & Tracing. "Das bringt auch eine Kostenersparnis", so Tasyürek. Es muss aber nicht nur an der Kostenschraube gedreht werden, um im Preiswettbewerb zu bestehen. Manchmal reicht genaues Nachrechnen. "In den Preisen ist oft Luft drin", glaubt Meinl. Der Grund: Viele Betriebe lassen die ganze Buchhaltung vom Steuerberater erledigen. Und der kalkuliert manchmal übervorsichtig, weil er für seine Zahlen haftet. So passiert es, dass hohe Rückstellungen für gravierende Schäden an Fahrzeugen gebildet werden - obwohl sie relativ unwahrscheinlich sind. Meinl rät Transporteuren daher, sich selbst einen Überblick über die wichtigsten Zahlen zu verschaffen, bevor sie ein Angebot machen. "Oft reicht es, sich eine Excel-Tabelle mit den Kosten und Umsätzen pro Monat und Fahrzeug anzuschauen." Auch was die Kalkulation angeht, rät der Experte, sich öfter mit Branchenkollegen oder Spezialisten aus Verbänden auszutauschen.

Zum Schluss noch eine gute Nachricht für Mittelständler: Der Markt für Ersatzteillogistik ist nicht mehr nur die Spielwiese der großen Integrators. "Früher waren wir stark auf die großen Anbieter fokussiert, mittlerweile kommen mehr und mehr auch kleinere Netzwerke zum Zug", sagt ZF-Manager Linkenheil. Und was rät er Anbietern, die ihre Chancen in einer Ausschreibung verbessern wollen? "Wichtiger als früher ist die weltweite Vernetzung unserer Logistikdienstleister für die effiziente und reibungslose Abwicklung - von der Abholung bis zur Auslieferung der Ware, wenn möglich über alle Transportmodi aus einer Hand. Nicht nur per Lkw, sondern wenn nötig auch Luft- oder Seefracht."

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