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11.07.2011

Noch Chancen beim Einkauf von Strom

Deutsche Zulieferer befürchten steigende Preise - Energiemanagement kann sich für Unternehmen steuerlich auszahlen

 

Von Anke Brillen. Mit dem beschlossenen Ausstieg aus der Atomkraft ist die Angst vor steigenden Strom- preisen verbunden. Zwar sind laut Bundesministerium für Umwelt. Naturschutz und Reaktorsicherheit mittelfristig bei einer dauerhaften Abschaltung sogar strompreisdämpfende Effekte zu erwarten - zum Beispiel durch zunehmenden Wettbewerb durch neue Anbieter und Kraftwerke auf dem Markt. Doch noch ist es nicht so weit. Ganz im Gegenteil.

In den nächsten Jahren befürchten 84 Prozent der deutschen Zulieferer weiter steigende Energiepreise. Dies hat eine Studie des Instituts für Demoskopie Allensbach und des Kerkhoff Competence Center of Supply Chain Management an der Universität St. Gallen ergeben, für die 100 Autozulieferer befragt wurden. "Gerade für energieintensive Branchen wie die Automobilindustrie können steigende Energiepreise eine echte Herausforderung sein. Automobilzulieferer spüren zunehmend den Preisdruck der OEMs und versuchen nun, Kosten zu senken, um weiter wettbewerbsfähig zu bleiben, Hier gewinnen Unternehmen, die ein gezieltes Konzept für den kostengünstigen Energieeinkauf vorliegen haben“, sagt Christian Michalak, Geschäftsführer Projekte der Unternehmensberatung Kerkhoff Consulting. Die Studie habe gezeigt, dass vier von fünf deutschen Unternehmen ihre Kosten senken wollen, um das operative Ergebnis zu verbessern. "Jedoch strebt nur ein Prozent dieser Unternehmen die Reduktion der Energiekosten an“, erklärt Michalak.

Wie etwa der mittelständische Zulieferer Kirchhoff. Der Spezialist für Karosserieteile hat den Stromanbieter gewechselt und günstigere Verträge ausgehandelt. Eine Ausnahme. Häufig sei Managern nicht bewusst, dass sich mit einem gezielten Einkauf von Energie signifikant Kosten einsparen lassen, erläutert Michalak.

Seit 2010 wird an den beiden Kirchhoff-Standorten Iserlohn und Attendorn nach Maßnahmen gefahndet, um den Energieverbrauch zu reduzieren. „Ziel ist eine Energieeinsparung von fünf bis zehn Prozent. sagt Dieter Hoffmann, mitverantwortlich für den Aufbau eines Energiemanagements bei der Kirchhoff-Gruppe. Doch bevor es so weit ist, muss erst der Stromverbrauch der einzelnen Anlagen ermittelt werden.

Datenlogger Installiert

Dazu wurden über die Produktionsbereiche verteilt Datenlogger installiert, die viertelstündlich den Verbrauch messen und Verbrauchsspitzen ermitteln. Durch veränderte Produktionsrhythmen lassen sich Spitzenlasten besser verteilen. Hoffmann: ‚Wenn bestimmte Produktionsschritte zum Beispiel um eine Stunde verschoben werden, sinken die Lastspitzen und so die Energiekosten.“ Die sind seit Jahren stetig gestiegen - von 0,098 Euro in 2008 auf heute 0,128 Euro pro Kilowattstunde. Allein am Standort Iserlohn beträgt der Stromverbrauch über zwölf Millionen Kilowattstunden jährlich, die Zusatzkosten summieren sich auf mehrere Millionen Euro. Um die Preissteigerung wettmachen zu können, muss der Verbrauch bei den Lastspitzen um 20 Prozent reduziert werden, denn die sind ausschlaggebend für die Berechnung.

Wie bei den meisten Mittelständlern mit hohen Stromkosten wird auch bei Kirchhoff der Verbrauch im Viertelstundentakt ermittelt und in einem Lastgang (Lastprofil) aufgezeichnet. Leistungsgemessene Kunden zahlen neben dem „Arbeitspreis auch einen Leistungspreis‘. Dieser richtet sich nach den Lastspitzen. dem jeweils höchsten gemessenen Stromverbrauch. Die Senkung dieser Lastspitzen erfolgt bei Kirchhoff durch Abschaltung von Verbrauchern in Produktionspausen. Durch neue Technologien lassen sich die Anlagenkomponenten und angeschlossene Verbraucher gezielt von der Stromversorgung trennen.

Viel Geld lässt sich auch bei der Druckluft einsparen. Etwa sieben Prozent des industriellen Strom- bedarfs werden allein dafür benötigt. Würden die Betriebe davon 30 Prozent einsparen, entspräche das 2,5 Milliarden Euro.

Dass solche Summen einfach so in die Luft gepustet werden, liegt zum Teil an defekten Schläuchen. Die Kosten für Undichtigkeiten in einem Druckluftnetz betragen zum Beispiel bei einem Leck von zehn Millimeter Durchmesser 26.000 Euro pro Jahr.
 
Mit seinen Einsparungen will sich Kirchhoff noch 2011 das Zertifikat DIN EN 16001 verdienen. Denn das Energiemanagement soll sich auch steuerlich auszahlen. Zertifizierte Betriebe können mit Steuervorteilen von mehreren 100.000 Euro rechnen.

Zulieferer können das Geld gebrauchen - denn ab 2013 wird der EU-Emissionsrechtehandel zu höheren Abgaben führen. Experten befürchten einen Anstieg von derzeit 15 Euro pro Tonne CO2 auf 40 Euro. Die Rohstoffherstel1er werden diese Kosten an die Zulieferer weitergeben. Das führt laut Berechnungen der Unternehmensberatung Management Engineers zu einer Verteuerung der Energie. Insgesamt werden sich die Herstellungskosten eines Volumenmodells so um etwa 230 Euro erhöhen. Davon müssen die Zulieferer durch Einpreisung der CO2-Zertifikate in die Produktion rund 6 Euro pro Fahrzeug tragen.

Damit die Preise nicht weiter steigen, muss der Energiebedarf runter: „In der Produktion eines Autos entstehen sechs Tonnen C02, das sind 22 Prozent der C02-Emissionen im gesamten Pkw-Lebenszyklus“, rechnet Ralf Dieter vor, Vorstandsvorsitzender der Dürr AG aus Bietigheim-Bissingen. So bietet der Lackieranlagenbauer sogenannte Green Paintshops an, mit denen sich bis zu 47 Prozent Energie einsparen lassen. Das Unternehmen hat zudem einen eigenen Geschäftsbereich gegründet, der sich ausschließlich mit Energieeffizienz beschäftigt.

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