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31.08.2012

Gefahr von Lieferausfällen senken

Strategisches Lieferantenmanagement minimiert Risiken

Nach der Wirtschaftskrise und insbesondere nach der Naturkatastrophe in Japan zeigt sich, dass ein Risikomanagement für Supply Chains unabdingbar ist, um Lieferengpässe oder sogar -ausfälle zu vermeiden. Neben solchen Naturkatastrophen spielen zunehmend weitere Risiken eine Rolle – wie Währungskursschwankungen, Rohstoffengpässe, politische Instabilitäten und Oligopolbildungen.Um die Versorgungssicherheit zu garantieren, empfiehlt es sich, Instrumente wie Szenarioplanungen und Alternativlieferanten einzusetzen. Weiterhin ist es wichtig, in solchen Situationen verlässliche Partner zu haben.

Eng miteinander verbundene Partner kennen die Stärken und Schwächen des anderen und können in kritischen Situationen gegensteuern. Nach der Krise stand Bilfinger Berger kurzzeitig vor großen Herausforderungen: Zuvor bei Lieferanten und Nachunternehmern abgebaute Produktionskapazitäten konnten nicht schnell genug wieder aufgebaut werden, so dass es teilweise zu Lieferengpässen kam. Bilfinger Berger konnte insbesondere durch sein strategisches Partnermanagement mit seinen Zulieferern gegensteuern und beschaffungsbedingte Produktionsausfälle vermeiden.

Vorausgegangen und somit Grundlage für das strategische Partnermanagement war die komplette Neuausrichtung des Einkaufs der Multi Service Group. In einem Excellence-Programm wurden das bestehende Einkaufsnetzwerk zwischen dem Zentralbereich Einkauf sowie den Einkaufsorganisationen der operativen Einheiten ausgebaut und die Prozesse systematisiert. Zentrales Lenkungsorgan der konzernweiten Aktivitäten ist nun ein Einkaufsboard, dem – neben dem Finanzvorstand – die Einkaufsleiter der operativen Einheiten und die Leitung des Zentralbereichs Einkauf angehören.

Herzstück der Neuausrichtung des Einkaufs bei Bilfinger Berger war unter anderem die Einführung eines konzernweiten Lieferantenmanagements. Im Vordergrund stand die gezielte Lieferantenauswahl und Lieferantenbewertung, die in einem gemeinsamen Projekt mit der auf Einkauf und Supply Chain Management spezialisierten Unternehmensberatung Kerkhoff Consulting nach einheitlichen Kriterien für die gesamte Gruppe eingerichtet wurde. Vor dem Projekt wies Bilfinger Berger eine sehr heterogene IT-Struktur auf, dabei kamen für das Lieferantenmanagement verschiedene IT-Lösungen zum Einsatz. Kerkhoff Consulting unterstützte im Rahmen des Projektes bei der Einführung neuer integrierter IT Lösungen zur Vereinheitlichung des Lieferantenmanagements im Konzern. Durch dieses Tool ist es möglich, Transparenz über die Lieferanten zu erhalten, um diese effizienter auszuwählen, (Compliance-)Risiken frühzeitig aufzudecken und letztendlich die allgemeine Leistungsfähigkeit des Einkaufs zu steigern.

Eine effiziente Lieferantenauswahl erfordert einen intensiven internen und externen Datenaustausch. Dies wird ermöglicht durch ein neues Lieferantenportal mit Registrierungsfunktion für alle potenziellen Lieferanten, das durch eine detaillierte Lieferantenselbstauskunft ergänzt wird. Zum Beginn des Projekts stand die Erstellung der konzernweit einheitlichen Kriterien zur Lieferantenauswahl.

Neben der einheitlichen Lieferantenauswahl wurde im nächsten Schritt ein konzerneinheitliches Lieferanten-Bewertungssystem eingeführt. Dies hat nicht nur den Vorteil, dass Lieferanten untereinander verglichen, sondern auch Schwachpunkte in der Leistung des Lieferanten erkannt und gemeinsam bereinigt werden können, der Lieferant gefördert und entwickelt wird – und zwar in einer partnerschaftlichen und für beide Parteien zielführenden Zusammenarbeit.

Zwei konkrete Beispiele:
Bilfinger Berger arbeitet seit längerer Zeit mit einem großen Baustoffhändler zusammen. Bei der Lieferantenbewertung fiel auf, dass die Lieferzeiten des Unternehmens an verschiedenen Standorten Optimierungspotenziale aufwiesen. Der Einkauf hat darauf den Lieferanten gezielt angesprochen und ein Gespräch mit dem Vertrieb organisiert. Nur durch die neu entstandene Transparenz war es möglich, die Schwachstelle zu erkennen und gemeinsam zu beseitigen.

Ein weiterer Lieferant aus dem Energiesektor offenbarte bei der Lieferantenbewertung Schwächen in seiner Qualität. Auch hier gab der Einkauf aufgrund der neuen übergreifenden Transparenz den Impuls für ein Gespräch zwischen Lieferant und einem internen Stakeholder. Durch diese neue Qualität der Partnerschaft hat sich die Zusammenarbeit zwischen Bilfinger Berger und den Lieferanten deutlich verbessert.

Heute ist bereits ein Großteil der Lieferanten bei Bilfinger Berger bewertet und transparent. Das Lieferantenmanagement soll noch deutlich ausgebaut werden, um Kooperationen zu stärken und Risiken zu minimieren. Denn durch die Förderung von Bilfinger Berger können sich die Lieferanten weiterentwickeln, ihre Leistungsfähigkeit steigern und so langfristige Lieferbeziehungen entwickeln. Von der gesteigerten Leistungsfähigkeit des Lieferanten profitiert auch der Einkauf von Bilfinger Berger, zum Beispiel durch effizientere Prozesse, auch bei Versorgungsengpässen, und Kostenvorteile. Das konzernweit neu aufgestellte Lieferantenmanagement ist somit ein entscheidender Baustein in der Einkaufsstrategie des Konzerns, um in der Zusammenarbeit mit den Partnern Chancen zu nutzen oder Risiken frühzeitig zu erkennen und zu minimieren.

Dr. Egbert Hubmann, Michael Stietz

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