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01/01/2005

Schatzsuche

Einkaufsmanagement kompakt

 
 

von Hans-Joachim von Plüskow

Der Einkauf gilt vielen Unternehmern immer noch als Pflichtprogramm. Natürlich: Forschung und Entwicklung oder Marketing und Vertrieb sind mindestens genauso wichtig. Doch lässt mancher Chef gewaltige Einsparpotenziale beim Einkauf außer Acht.

Das „manager magazin“ brachte es kürzlich an den Tag. Demnach beschaffte die deutsche Industrie im Jahr 2003 Waren im Wert von rund 240 Milliarden Euro, aber nur jeder zehnte Unternehmer kann von sich behaupten, dass er zu Top-Konditionen eingekauft hat. Alle anderen zahlen zu viel.

Provokativer formuliert: Die Firmenchefs werfen Jahr für Jahr Milliardenbeträge aus dem Fenster. Dabei gelten die Deutschen – ganz nach dem Motto „Geiz ist geil“ – im privaten Bereich in der Disziplin Preisbewusstsein sogar als Europameister. Im Geschäftsleben haben sie ihre Lektion offensichtlich noch nicht gelernt.

Rund zehn Prozent, also etwa 24 Mrd. Euro, könnten Firmenchefs nach Aussage des Einkaufsspezialisten Gerd Kerkhoff jedes Jahr sparen und damit für ihr Unternehmen dringend benötigte Renditequellen erschließen. Kerkhoff, der sich mit seiner Düsseldorfer Unternehmensberatung Kerkhoff Consulting auf Beschaffungsoptimierung konzentriert, findet mit seinen Beratern bei jedem Beratungsauftrag fünf bis 15 Prozent Verbesserungspotenziale. Und das, ohne die Qualität der eingekauften Waren zu reduzieren oder die Lieferanten zu ruinösen Preiszugeständnissen zu zwingen. Kerkhoff: „Gerade bei sensiblen Bedarfen bleiben in 95 bis 98 Prozent der Fälle die Zulieferer dieselben.“

So gingen zum Beispiel nach einer Beratung durch die Düsseldorfer Einkaufsexperten beim Küchenhersteller Nobilia die Beschaffungskosten für Verpackung, Spanplatten und Beschläge um ein Zehntel zurück. Nobilia-Geschäftsführer Dr. Günter Scheipermeier begründet den Einsatz der Berater so: „Nachdem die Verkaufspreise immer stärker unter Druck geraten, war es aus meiner Sicht zwingend erforderlich, die eigenen Einkaufspreise zur Absicherung der Wettbewerbsfähigkeit und zur Steigerung der Wertschöpfung zu optimieren.“

Diese Worte sollten sich viele andere Unternehmenslenker zu Herzen nehmen und den Einkauf nicht länger stiefmütterlich wie bisher behandeln. Denn in Zeiten von Basel II und der häufig mangelnden Bereitschaft der Banken, Kredite zu gewähren, gilt es, sämtliche Möglichkeiten der Ertragssteigerung auszunutzen. Außerdem wirken sich reduzierte Beschaffungskosten unmittelbar und nicht erst mittel- oder langfristig auf das Ergebnis aus.